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Verkehrssicherungspflichten - Nicht jeder abstrakten Gefahr muss vorbeugend begegnet werden?

Wenn eine Pflicht zum Handeln besteht, haftet der Verein für seinen Vorstand oder seine Erfüllungsgehilfen auch im Falle des schuldhaften Unterlassens. Jeder, der eine Gefahrenquelle schafft, hat die Pflicht dafür Sorge zu tragen, dass Dritte nicht verletzt werden. Ein schuldhaftes Unterlassen setzt zumindest leichte Fahrlässigkeit des zum Handeln Verpflichteten voraus. Ob eine solche vorliegt, ist immer wieder Gegenstand gerichtlicher Entscheidungen. Mit Urteil vom 18.02.2013 hat das Oberlandesgericht Koblenz (Az. 5 U 34/13) entschieden, dass ein Verein nicht jeder abstrakten Gefahr vorbeugend begegnen muss. Der Entscheidung lag folgender Fall zu Grunde:

Eine Teilnehmerin stürzte bei einer durch einen Verein organisierten Wanderung und verletzte sich hierbei erheblich. Die Klägerin trug vor, dass der beklagte Verein seine Verkehrssicherungspflichten dadurch verletzt habe, dass er den durch Dauerregen aufgeweichten Wanderweg hätte sperren oder aber zumindest Hinweisschilder und Haltepfosten aufstellen müssen. Zwar bejahte das OLG Koblenz eine erhöhte Gefährdungslage, hielt dies aber für haftungsrechtlich irrelevant, denn die allgemeine Gefährdung war vertrags- und veranstaltungsimmanent. Jeder teilnehmende Wanderer musste also mit einer Gefahrenlage rechnen. Erst dann, wenn sich Anhaltspunkte verdichten, dass die Unfallstelle nicht mehr passierbar ist, wäre der Verein zum Handeln verpflichtet gewesen. Dies zeigte sich aber erst durch den Sturz der Klägerin selbst.

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